Inklusive Berufsausbildung bietet aber auch Betrieben viele neue Möglichkeiten und Entwicklungschancen. Dafür braucht ein Betrieb Offenheit und Engagement. Das ist mit weniger Aufwand verbunden, als oft gedacht wird. Denn Netzwerke zu Beratung und Förderung stehen zu allen Fragen und Anliegen bereit. Entscheidend ist, dass für den jeweiligen Betrieb und die einzelnen Auszubildenden die individuell passenden Möglichkeiten zur Unterstützung gefunden werden.
Für den ausbildenden Betrieb ist es sinnvoll, grundsätzlich für eine größere Bandbreite von Herausforderungen sensibilisiert zu sein, die auch während einer vermeintlich "normalen" dualen Ausbildung bei Menschen mit Behinderungen auftreten können.
Wenn eine inklusive duale Berufsausbildung erfolgreich durchlaufen wird, dann gewinnen alle Beteiligten: Der junge Mensch bekommt eine berufliche Perspektive, der Betrieb erhält einen loyalen Mitarbeiter bzw. eine loyale Mitarbeiterin und das Betriebsklima bessert sich. Zugleich wird für die Betriebe das Potential an Personen erweitert, die für eine duale Ausbildung in Frage kommen, was angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels in vielen Branchen eine gesamtgesellschaftliche Dimension hat.
Die positiven Effekte wirken darüber hinaus in verschiedene Richtungen: Die Schülerinnen und Schüler in den Klassen der Berufsschulen sehen anhand realer Beispiele, wie individuelle Förderung bei unterschiedlichen Ausgangslagen wirken kann. Die Beschäftigten in den Betrieben erleben im beruflichen Alltag, wie für persönliche Unterschiede und Bedarfe eine größere Sensibilität und Möglichkeiten des Umgangs entwickelt werden können.
Eine junge Frau machte im Ordnungsamt der Stadtverwaltung eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation. Die Frau war auf den Rollstuhl angewiesen, doch ihr Arbeitsplatz war so gestaltet, dass sie keine Einschränkungen hatte. Alle weiteren Räume im Rathaus waren barrierefrei zu erreichen. Sie konnte die Ausbildung durchlaufen und erfolgreich abschließen, ohne eine weitere Förderung oder Unterstützung in Anspruch nehmen zu müssen.
Zu beachten ist außerdem, dass die meisten Behinderungen erst im Laufe des Lebens durch Krankheit oder Unfall erworben werden. Das Thema Inklusion kann sich somit in einer beruflichen Biografie für alle Beschäftigten und die Betriebe immer neu stellen.
Gerade in krisengeprägten Zeiten mit vielen Unsicherheiten gilt es, Gemeinschaft zu leben, das gesellschaftliche Miteinander und gemeinsame Werte zu stärken und Spaltung zu verhindern und abzubauen. Inklusion leben, heißt miteinander Vielfalt leben. Inklusion in der dualen Berufsausbildung bedeutet also auch, der größeren Heterogenität in der Gesellschaft gerecht zu werden.
Ein Aspekt wird in den verschiedenen Beispielen immer wieder angesprochen: die Digitalisierung. Die enorme Entwicklung in diesem Bereich eröffnet für Menschen mit Behinderung neue Möglichkeiten, die vor wenigen Jahren noch undenkbar schienen. Mittlerweile gibt es Betriebe, in denen die Kommunikation mit gehörlosen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ganz selbstverständlich per Smartphone unterstützt wird.
Menschen mit starken Bewegungseinschränkungen leisten durch Computer, die mit den Augen gesteuert werden, die gleiche Arbeit wie Kolleginnen und Kollegen, die keine Behinderung aufweisen. Und die Entwicklung schreitet weiter voran und wird in den nächsten Jahren neue Kommunikations- und Arbeitsmöglichkeiten schaffen, die Menschen mit Behinderung in Ausbildung und Beruf weitere Perspektiven erschließen.
- Die Webseite der Bundesagentur für Arbeit enthält einen Schwerpunkt zum Thema Inklusion. Neben umfassenden Informationen zu Beratung und Förderung sind auch hier Beispiele zu gelingender Inklusion zu finden. Ebenso sind die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (berufliche Rehabilitation) aufgeführt.
www.arbeitsagentur.de/m/inklusion
- Informationen zum Thema Rehabilitationspädagogische Zusatzqualifikation für Ausbilderinnen und Ausbilder (ReZA):
PDF-Datei zum Download
- Das Portal REHADAT wird gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und stellt in dessen Auftrag breitgefächert das Wissen zum Thema Teilhabe im Beruf zur Verfügung.
www.rehadat.de
- "Inklusion gelingt" ist eine Initiative der Wirtschaft, um die Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zu stärken. Neben Informationen für Betriebe sind auch hier viele Beispiele aus der Praxis zu finden.
www.inklusion-gelingt.de
- Die Fachstelle überaus des Bundesinstituts für Berufsbildung hat auf ihrem Portal ein Dossier zum Thema "Inklusion beim Übergang von der Schule in den Beruf" veröffentlicht. Hier finden Sie neben vielen weiteren Infos unter anderem eine interessante Videoreihe.
www.ueberaus.de
Die Inhalte des Themenschwerpunkts "Inklusion in der dualen Berufsausbildung" wurden von ibbw-consult gGmbH, Institut für berufsbezogene Beratung und Weiterbildung (Göttingen) im Auftrag des BIBB erstellt. Beteiligt waren: Ines Heidsieck, Dorte Heyer, Mareike Rathgeber sowie Wolfgang Muhs (redaktionelle Leitung).
Gelungene inklusive Berufsausbildung